Zirkusliebe

Seine Heimat ist die Manege: Zirkusdirektor Roland Lauenburger zog schon als Kind mit seinen Eltern und dem Chapiteau, dem Zirkuszelt, über Land. Inzwischen hat er seinen eigenen kleinen Familienzirkus »Balu«. Er ist Zirkusdirektor, Clown, Artist, Dompteur, Pressestelle, Requisiteur und Chauffeur, alles in einer Person. Seine Partnerin Angie und die Söhne Maurice (6) und Luca (5) helfen nach Kräften. Das kleine Familienunternehmen kommt gerade so über die Runden. Dann die Katastrophe: Mitten in der Saison muss Roland eine alte Haftstrafe absitzen – dreieinhalb Monate Gefängnis. Er war vor Jahren beim »Schwarzfahren« erwischt worden, mit einem Wagen seiner Mutter, der nicht versichert war. Und dann hatte er auch noch gegen Bewährungsauflagen verstoßen. Jetzt ist er dran – aus Bewährung wird Haft. Harte Zeiten für alle. Der Zirkus sitzt fest, die Kasse bleibt geschlossen und das mitten im Sommer, wenn das Geld für die lange Winterpause eingespielt werden muss. Angie, Maurice, Luca und die Tiere sind auf Hartz IV angewiesen. Roland, ein Mann der Tat, hat zum ersten Mal in seinem Leben Zeit. Zeit zum Nachdenken und zum Grübeln. Er quält sich mit den immer gleichen Fragen: Wie kommen seine Lieben draußen zurecht, haben sie genug zu Essen, halten sie weiter zu ihm? Hat er Angies entbehrungsreichen Einsatz je angemessen gewürdigt, ihr je gesagt, dass er sie liebt? Für den Analphabeten Roland ist es schwer, mit Angie Kontakt zu halten, weil nur Briefe schreiben erlaubt ist. Doch er findet einen Weg: Ein Zellengenosse hilft ihm, die rechten Worte zu Papier zu bringen. Angie ist tief berührt. Endlich hat sie schwarz auf weiß, was sie aus seinem Munde kaum gehört hat: Anerkennung und Zuneigung. Mitte November wird Roland entlassen, unmöglich, die Tournee fortzusetzen. Nach langem Warten auf den ersehnten Frühling startet das Mini-Unternehmen in die nächste Saison. Mit frisch bemalten Wagen und der verzweifelten Hoffnung, wieder Fuß zu fassen – als Zirkus und als Familie.

buch, regie

Karin Guse

 

kamera

Harald von Hellborn, Nils Keber und Karin Guse


tonmischung

Holger Jung


schnitt

Sebastian Schnabel

 

© Karin Guse, 2011